
Ab 1951 fuhr die Linie 30 über den Schenkelberg – hier ein Berliet PCK 7 bei der Ausfahrt im Betriebshof, im Hintergrund die Ruinen der ehemaligen Infanteriekaserne Moltkestraße - Foto Nachlass H.-J. Schmitt, Archiv M. Philipp
Mercedes-Bus 601 mit Fahrtziel „Hauptbahnhof“ in den späten 20er Jahren: Die Karosserie bestand damals noch zum Großteil aus Holz! - Foto Nachlass H.-J. Schmitt, Archiv M. Philipp
Mercedes-Bus 601 mit Fahrtziel „Hauptbahnhof“ in den späten 20er Jahren: Die Karosserie bestand damals noch zum Großteil aus Holz! - Foto Nachlass H.-J. Schmitt, Archiv M. Philipp
Mercedes-Bus 601 mit Fahrtziel „Hauptbahnhof“ in den späten 20er Jahren: Die Karosserie bestand damals noch zum Großteil aus Holz! - Foto Nachlass H.-J. Schmitt, Archiv M. Philipp
Copyright / Quellenangabe: Markus Philipp, ÖPNV-Archiv Saarbrücken
Ab 1925
Omnibus bedeutet auf lateinisch „für alle“. Öffentlich zugängliche Fahrzeuge gab es von Pferden gezogen schon lange. Der erste Bus mit Verbrennungsmotor wurde von Carl Benz 1895 gebaut.
Im Saarland wurde bereits 1901 eine Arbeiter-Buslinie zwischen Riegelsberg und Saarbrücken eingerichtet, die unzuverlässig war und bald wieder eingestellt wurde. Der technische Fortschritt war aber nicht aufzuhalten.
Einer der ersten Fahrscheine nur für den Bus ab 1925 mit den wenigen, ersten Strecken - Archiv M. Philipp
Einer der ersten Fahrscheine nur für den Bus ab 1925 mit den wenigen, ersten Strecken - Archiv M. Philipp
Einer der ersten Fahrscheine nur für den Bus ab 1925 mit den wenigen, ersten Strecken - Archiv M. Philipp
Sowohl Mercedes-Benz als auch der aufstrebende Hersteller Büssing aus Braunschweig vertrieben nach dem ersten Weltkrieg ihre Busse. So beschaffte die Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal AG (GSS), die Vorgängergesellschaft der Saarbahn GmbH, 1924 drei Büssing-Omnibusse, die von 601 an aufwärts nummeriert wurden. Im Januar 1925 gingen die ersten beiden Linien über die Metzer Straße zum Südfriedhof sowie zur Rußhütte in Betrieb und ergänzten damit das bereits gut ausgebaute Straßenbahnnetz. Obwohl das neue Verkehrsmittel am Anfang wenig wirtschaftlich war und Probleme bereitete, dehnte sich das Netz aus: Von 1925 bis 1930 wurden Strecken Richtung Bürgerhospital (heute Reppersberg), als Ausflugslinie zur Simbachmühle sonntags im Anschluss an die Straßenbahn-Linie 5 sowie zum Homburg, zur Bellevue und zum Burbacher Waldfriedhof eingerichtet.
Der Fuhrpark wuchs, neben Büssing- kamen auch Mercedes-Fahrzeuge hinzu. Sogar eine Linie von Saarbrücken über Schafbrücke bis Rohrbach wurde im ersten Halbjahr 1926 betrieben, mangels Nachfrage dann aber wieder eingestellt.
Sogar eine Linie von Saarbrücken über Schafbrücke bis Rohrbach wurde im ersten Halbjahr 1926 betrieben, mangels Nachfrage dann aber wieder eingestellt. Der Omnibus war neu, sowohl was Linien als auch was Fahrzeuge anging, musste man experimentieren. Das macht die Dokumentation dieser Aufbruchszeit sehr schwierig. Es wurden Busmodelle verschiedener Firmen ausprobiert, manche blieben nicht lange im Fuhrpark. Fahrzeugnummern wurden geändert oder mehrfach hintereinander vergeben. Auch war der Bus nicht immer das zuverlässigste Verkehrsmittel und die noch schwachen Motoren mussten an den Steigungen kämpfen. Dennoch schätzte man die neue Errungenschaft für Nebenstrecken und aufgrund seiner Flexibilität.
Fahrplanauszug vom Juni 1938: Unter dem Linienbusfahrplan steht Werbung für Sonderfahrten mit den gleichen Bussen. - Archiv M. Philipp
Fahrplanauszug vom Juni 1938: Unter dem Linienbusfahrplan steht Werbung für Sonderfahrten mit den gleichen Bussen. - Archiv M. Philipp
Fahrplanauszug vom Juni 1938: Unter dem Linienbusfahrplan steht Werbung für Sonderfahrten mit den gleichen Bussen. - Archiv M. Philipp
Die 1930er Jahre
Schon Anfang der 1930er Jahre konnte der Bus eine weitere Karte ausspielen: Er fuhr Schienenersatzverkehr, nachdem Grubensenkungen und Sturmschäden Bauarbeiten an der Straßenbahnstrecke Richtung Dudweiler notwendig machten. Außerdem wurden die Busse der GSS gerne zu touristischen Reisen gebucht, beispielsweise an die Mosel oder zu den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges. Der Linienverkehr wurde ausgebaut und die Linien verdichtet: 1937 kam die Strecke zum Rodenhof hinzu und 1938 die Strecke zur Von-Below-Kaserne, dem heutigen Campus der Universität. Die weitere Entwicklung des Netzes wurde durch den 1939 ausgebrochenen Zweiten Weltkrieg zunächst unterbrochen, wenngleich auch hier durch zerstörte Straßenbahnstrecken der Bus seine Unabhängigkeit als Ersatzverkehr unter Beweis stellen konnte.
Der Fahrplantitel von 1952 zeigt die drei unterschiedlichen Verkehrsmittel: Straßenbahn (De Dietrich), Omnibus (Berliet) und Obus (Vetra) - Archiv M. Philipp
Der Fahrplantitel von 1952 zeigt die drei unterschiedlichen Verkehrsmittel: Straßenbahn (De Dietrich), Omnibus (Berliet) und Obus (Vetra) - Archiv M. Philipp
Der Fahrplantitel von 1952 zeigt die drei unterschiedlichen Verkehrsmittel: Straßenbahn (De Dietrich), Omnibus (Berliet) und Obus (Vetra) - Archiv M. Philipp
Ab 1948
Nach dem Krieg wurde der Betrieb der zuvor eingerichteten Strecken wieder aufgenommen. Es wurden neue Fahrzeuge, vor allem der französischen Hersteller Berliet und Renault beschafft, die die alten deutschen Schnauzenbusse ersetzten. Außerdem erhielten die Busstrecken Liniennummern wie wir sie heute gewohnt sind.
Eine besondere Entwicklung war sozusagen die erste Antriebswende in der Geschichte der Saarbrücker Omnibusse, in deren Rahmen zwei Strecken elektrifiziert wurden: 1948 die Ring-Linie 21 vom Hauptbahnhof über Talstraße oder Metzer Straße Richtung Bürgerhospital und Bellevue und 1953 die Linie 10 von der Innenstadt über Riegelsberg bis Heusweiler. Dazu wurden 17 Busse mit Stromabnehmer auf dem Dach, Obus oder Trolleybus genannt, vom französischen Hersteller Vetra beschafft (Bus-Nr. 401-417), die unter dem neuen Fahrdraht fuhren. Die Saarbrücker Zeitung berichtet über den ersten Betriebstag der neuen Busse im November 1948 voller Stolz, merkt aber auch an, dass in der Nähre des Betriebshofes die Schaffner in ihrer schicken Uniform die Busse ein Stück weit anschieben mussten. Die Obus-Technologie, die in Deutschland heute nur noch in Esslingen, Solingen und Eberswalde eingesetzt wird, hätte zukunftsweisend sein können, hat aber die Zeit damals nicht überstanden: 1964 fuhr der letzte Obus Richtung Heusweiler.
Chausson-Bus Nr. 626 und ein baugleiches Exemplar stehen in der Sophienstraße Nahe Hauptbahnhof und warten ihre Pausenzeiten ab - Nachlass H.-J. Schmitt, Archiv M. Philipp
Chausson-Bus Nr. 626 und ein baugleiches Exemplar stehen in der Sophienstraße Nahe Hauptbahnhof und warten ihre Pausenzeiten ab - Nachlass H.-J. Schmitt, Archiv M. Philipp
Chausson-Bus Nr. 626 und ein baugleiches Exemplar stehen in der Sophienstraße Nahe Hauptbahnhof und warten ihre Pausenzeiten ab - Nachlass H.-J. Schmitt, Archiv M. Philipp
1956 - 1971
Das Saarland wurde 1948 bis 1957 politisch weitgehend unabhängig von Deutschland, wirtschaftlich war es bis 1959 an Frankreich angebunden.
Daher wurden in den 50er Jahren insbesondere Omnibusse des französischen Fabrikats Chausson, Typ ASH 522 beschafft, die neben der Straßenbahn das Stadtbild prägten. Sie ersetzten aber auch immer mehr die Straßenbahn dort, wo Strecken nach und nach stillgelegt wurden.
Im Fahrplan 1959 wurde noch für französische Chausson-Busse geworben, obwohl Saarbrücken seit 2 Jahren wieder Teil Deutschlands war - Archiv M. Philipp
Im Fahrplan 1959 wurde noch für französische Chausson-Busse geworben, obwohl Saarbrücken seit 2 Jahren wieder Teil Deutschlands war - Archiv M. Philipp
Im Fahrplan 1959 wurde noch für französische Chausson-Busse geworben, obwohl Saarbrücken seit 2 Jahren wieder Teil Deutschlands war - Archiv M. Philipp
Immerhin wurden in den Jahren 1956 bis 1960 insgesamt 82 Busse dieses Typs in Dienst genommen (durchgängige Nummern 546 bis 627). Im Vergleich zu ihren Vorgängern waren diese Dieselbusse modern gestaltet, hatten einen großzügigen Innenraum und konnten wirtschaftlicher als ihre Vorgänger betrieben werden.
Anfangs fuhren auf diesen Bussen im hinteren Fahrzeugteil (der Motor war vorne neben dem Fahrer) noch Schaffner mit.
Daher war die hintere Tür breiter und wurde umgekehrt zu heute als Einstiegstür genutzt. Zudem hatten die Busse insgesamt drei Türen, was die Abfertigung im immer lebhafter werdenden Stadtverkehr beschleunigte.
Der Metrobus dominiert den Fahrplantitel von 1966 als Motiv – die Alleinherrschaft der Busse hat begonnen - Archiv M. Philipp
Der Metrobus dominiert den Fahrplantitel von 1966 als Motiv – die Alleinherrschaft der Busse hat begonnen - Archiv M. Philipp
Der Metrobus dominiert den Fahrplantitel von 1966 als Motiv – die Alleinherrschaft der Busse hat begonnen - Archiv M. Philipp
1961 - 1980
Nachdem das Saarland wieder ein Teil Deutschlands wurde, entschied sich auch die GSS für die Beschaffung deutscher Busse nach deutschen Normen. Überzeugen konnte der Bushersteller MAN mit seinem neuen „Metrobus“. Von diesem Bustyp wurden von Februar 1961 bis August 1969 stolze 161 Exemplare an die GSS ausgeliefert (Typ MAN 640 HO und 750 HO, HO = Heckmotor-Omnibus).
Es war die Zeit, in der die Straßenbahn mehr und mehr von der Bildfläche verschwand. Die letzten beiden Straßenbahnlinien wurden 1965 stillgelegt, sodass von nun an die Busse den städtischen Nahverkehr Saarbrückens alleine zu schultern hatten.
Im Fahrplan von 1958 gab es 13 Buslinien, 1961 finden sich 21, und 1965 schon 30 Buslinien. 1970 erreichte das Netz mit 36 Linien ungefähr seine heutige Ausdehnung. Die Busse erhielten eine neue Farbgebung, die über Jahrzehnte das Stadtbild prägte, auch noch durch die Nachfolgemodelle bis kurz vor die Jahrtausendwende: unterhalb der Fenster dunkelblau, darüber crèmefarben. Die Metrobusse standen im Einsatz bis im März 1980 die letzten ersetzt wurden. Der Wagen Nr. 727 überlebte als Abschleppwagen immerhin bis 1989!
Der Standard-1-Gelenkbus 817 steht am Hauptbahnhof abfahrbereit Richtung Eschberg. - Sammlung O. José
Der Standard-1-Gelenkbus 817 steht am Hauptbahnhof abfahrbereit Richtung Eschberg. - Sammlung O. José
Der Standard-1-Gelenkbus 817 steht am Hauptbahnhof abfahrbereit Richtung Eschberg. - Sammlung O. José
1965 – 1997
Die Metrobusse wurden von einer Busgeneration abgelöst, die die meisten heute noch vor Augen haben, die „Standard-1-Busse“. Diese wurden von verschiedenen Busherstellern ab Ende der 1960er Jahre gebaut, damit die Bautypen einheitlicher wurden und somit Synergien z. B. in den Werkstätten entstanden und Fahrer und Fahrgäste sich an einen einheitlichen Bustyp gewöhnen konnten. Somit wurden in Deutschland und darüber hinaus viele Tausende von Standard-1-Bussen eingesetzt. In Saarbrücken blieb man der Marke MAN treu. Es wurden Generationen von Bussen der MAN-Typen 750 HO SL, SL 192 und SL 200 beschafft. Ab 1973 kamen erstmals leistungsfähige Gelenkbusse hinzu. Der erste Bus war der Wagen 200 im Januar 1971, der letzte Bus dieses Typs wurde mit dem Gelenkbus 834 im Februar 1986 zugelassen. Lediglich ein Testwagen von Mercedes kam 1982 als Exot in den Fuhrpark, der Wagen 830 des Typs O 305 G. Der letzte Bus der Standard-1-Generation war der Wagen 866, der bis ins Jahr 2000 seine Runden drehte, zuletzt bei einem Subunternehmer. Aus Anlass des Jubiläums vertreibt der Modellhersteller Rietze ab April 2025 ein Modell (Maßstab 1:87) eines solchen Fahrzeuges in seinem Programm.
Der Wagen 866 war der letzte aktive Standard-1-Bus, der bis 2000 seine Runden drehte, hier 1998 am Brebacher Bahnhof - Foto Markus Philipp
Der Wagen 866 war der letzte aktive Standard-1-Bus, der bis 2000 seine Runden drehte, hier 1998 am Brebacher Bahnhof - Foto Markus Philipp
Der Wagen 866 war der letzte aktive Standard-1-Bus, der bis 2000 seine Runden drehte, hier 1998 am Brebacher Bahnhof - Foto Markus Philipp
Insgesamt wurden für die GSS 256 Busse dieses Typs beschafft, darunter 35 Gelenkbusse für die am stärksten frequentierten Linien (bis 1988 die Linien 1, 6, 9, 17, 18, 36, 38 und 39; nach 1988 die Linien 10, 15, 16, 20, 27, 31 und nach Steigerung der Fahrgastzahlen an der Universität in den 90ern auch die Linien 11 und 19).
Die Standardbusse der ersten Generation wurden von den „Standard-2-Bussen“ abgelöst, die aufgrund ihrer neuen, eckigen Karosserieform auch gerne als „Schuhkartons“ bezeichnet wurden. Hiervon kamen in Saarbrücken von 1986 bis 2006 31 Busse zum Einsatz. Im Jahr 1997 endete die Alleinherrschaft der Busse im ÖPNV auf Saarbrückens Straßen, da die seit 1995 im Bau befindliche Stadtbahn im Oktober eröffnet wurde und als Saarbahn-Linie 1 das neue Rückgrat des Saarbrücker Nahverkehrs wurde.
„Aktion Freie Busspur“ und ein charmantes Busfahrerinnen-Lächeln sollte bei Autofahrern die Akzeptanz der neuen Busspuren erhöhen - Archiv M. Philipp
„Aktion Freie Busspur“ und ein charmantes Busfahrerinnen-Lächeln sollte bei Autofahrern die Akzeptanz der neuen Busspuren erhöhen - Archiv M. Philipp
„Aktion Freie Busspur“ und ein charmantes Busfahrerinnen-Lächeln sollte bei Autofahrern die Akzeptanz der neuen Busspuren erhöhen - Archiv M. Philipp
Die 1980er Jahre
Das gestiegene Umweltbewusstsein der 80er Jahre führte vielen Menschen vor Augen, dass die Ausbreitung des Autoverkehrs nicht unendlich möglich ist. Die Städte ersticken in Stau und schlechter Luft. Eine Lösung besteht nach wie vor darin, viele Menschen mit einem Gefährt zu transportieren, eine neue Chance für alte Bekannte: Bus und Bahn.
Um das Busfahren in Saarbrücken attraktiver zu machen wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Es wurden Busspuren zur Beschleunigung eingeführt und das Selbstentwerten der Fahrkarten ab 1982 sollte die Abfertigung beim Fahrer zusätzlich schneller machen.
1986 wurden neue, attraktive Tarife eingeführt, darunter die „Umwelt-Zeit-Karte“, die fortan zu günstigen Preisen nicht mehr nur auf einer Strecke, sondern in einem ganzen Gebiet gültig war. Sie gab es als Wochen-, Monats und Jahreskarte auch mit Ermäßigung für Schüler und Senioren.
Der Bus selber sollte auch umweltfreundlicher werden: Es gab Experimente mit Rußfilter an Standard-2-Bussen sowie einen Bus der mit Rapsöl betrieben wurde, der Renault-Gelenkbus Nr. 108.
Verschiedene Varianten der UmweltZeit-Karte, die 1986 eingeführt wurde und den Kunden mehr Freiheiten bot - Archiv M. Philipp
Verschiedene Varianten der UmweltZeit-Karte, die 1986 eingeführt wurde und den Kunden mehr Freiheiten bot - Archiv M. Philipp
Verschiedene Varianten der UmweltZeit-Karte, die 1986 eingeführt wurde und den Kunden mehr Freiheiten bot - Archiv M. Philipp
Die Saarbrücker witzelten damals: „Was ist groß, blau, fährt durch die Stadt und riecht nach alten Fritten?“ Letztlich durchgesetzt haben sich später andere Technologien.
1992 kam zudem die Digitalisierung in den Saarbrücker ÖPNV, indem die Betriebsleitstelle mit einem neuen System betrieben wurde und die Bordcomputer der Busse moderner wurden.
Die Geräte der Firma GSI machten vieles einfacher, der Fahrgast merkte es an der plötzlich zu hörenden automatischen Haltestellenansage mit Gong.
Das Liniennetz von 1988 in den drei Farben rot, blau und grün - Archiv M. Philipp
Das Liniennetz von 1988 in den drei Farben rot, blau und grün - Archiv M. Philipp
Das Liniennetz von 1988 in den drei Farben rot, blau und grün - Archiv M. Philipp
1988, 1997, 2006
In das gestiegene Umweltbewusstsein mischte sich die Erkenntnis, dass das über Jahrzehnte bestehende Streckennetz überarbeitet werden muss. Eine erste große Reform der Linien gab es am 1. Mai 1988. Viele Linien erhielten andere Streckenverläufe, neue Nummern und es entstanden neue Direktverbindungen. So wurden die Hauptlinien nach Klarenthal, durch das Sulzbachtal, über Burbach nach Altenkessel und über die Universität neu kombiniert.
Auch entstand erstmal eine Direktverbindung vom Eschberg über den Rotenbühl bis nach Heusweiler. Außerdem wurden die Linien einige Jahre mit einem farblichen Orientierungssystem in Rot (Südwest – Nordost, 10er-Linien), Blau (Nordwest – Südost, 20er-Linien) und Grün (Querverbindungen zwischen den Stadtteilen, 30er-Linien) versehen.
Die Fahrgäste fanden das gut, denn 1989 wurden seit langem wieder über 30 Millionen Fahrgäste im Jahr erreicht. Und das Wachstum ging weiter, ein Jahr später waren es schon über 31 Millionen Fahrgäste im Jahr.
Der Fahrplantitel von 2006 verspricht viel Neues, u. a. die dreistelligen Liniennummern - Archiv M. Philipp
Der Fahrplantitel von 2006 verspricht viel Neues, u. a. die dreistelligen Liniennummern - Archiv M. Philipp
Der Fahrplantitel von 2006 verspricht viel Neues, u. a. die dreistelligen Liniennummern - Archiv M. Philipp
Durch die Einführung der Stadtbahn, die in Saarbrücken „Saarbahn“ genannt wird, wurde das Netz im Oktober 1997 an die neue Linie 1 ausgerichtet: Linien wurden gebrochen, umgeleitet oder neu zusammengesetzt, vor allem rund um Römerkastell und Brebach, später dann auch am Rastpfuhl und in Riegelsberg.
Mit der Einführung des saarlandweiten Verkehrsverbundes „saarVV“ 2005 wurden die Liniennummern im ganzen Saarland vereinheitlicht. Saarbrücken hat Nummern mit der führenden 1 bekommen, also die „100er“. In Merzig die 200er, in Neunkirchen die 300er usw.
Die Einführung dieser neuen, dreistelligen Nummern nutzte Saarbrücken 2006, das Liniennetz erneut den Bedürfnissen anzupassen und einiges zu ändern. Auch hier wurden wieder Streckenäste neu kombiniert und es entstanden neue Linienverläufe wie eine Direktverbindung vom Winterberg und St. Arnual über die Uni bis nach Dudweiler.
Dieses Liniennetz besteht in seinen Grundzügen bis heute. Die Reformen von 1988 und 2006 hatten eines gemeinsam: Viele gute Ideen, aber auch ein paar deutliche Kritikpunkte aus der Bevölkerung. Diese führten in beiden Fällen zu einer Überarbeitung jeweils ein halbes Jahr später. So gab es 2006 eine regelrechte Bürgerbewegung, die den Linienverlauf der alten Linie 47 vom Eschberg über den Rotenbühl in die Innenstadt erhalten wollte.
Mit Erfolg, wie man an der immer noch bestehenden und sehr gut ausgelasteten Linie 107 sehen kann.
Erdgas-Niederflurbus 283 auf der „blauen“ Linie 26 am Schenkelberg im Oktober 1995 - Archiv M. Philipp
Erdgas-Niederflurbus 283 auf der „blauen“ Linie 26 am Schenkelberg im Oktober 1995 - Archiv M. Philipp
Erdgas-Niederflurbus 283 auf der „blauen“ Linie 26 am Schenkelberg im Oktober 1995 - Archiv M. Philipp
1988 - 2006
Durch gute Kontakte des damaligen Geschäftsführers der GSS zum Autohersteller Renault kamen für deutsche Verhältnisse einige Zeit sehr exotische Busse auf Saarbrücker Straßen zum Einsatz. Der Nutzfahrzeughersteller „Renault Véhicules Industriels (RVI)“ verkaufte der GSS 43 Gelenkbusse und 7 Standardbusse, die von 1988 bis 2006 eingesetzt wurden. Die Busfahrer und die Fahrgäste mussten sich an eine andere Buskultur gewöhnen, da die Bedienung, der Fahrerarbeitsplatz und der Fahrgastraum dieser Busse sich von den deutschen Typen unterschied. Eines wissen die alten GSS-Busfahrer aber bis heute: Die Renaults waren leistungsfähig und kamen auch bei schwierigen Witterungsbedingungen noch gut den Eschberg hinauf. Dem gegenüber standen Kinderkrankheiten, zum Beispiel dass der Schließmechanismus der Türen oft nicht funktionierte, was vor allem in der Anfangszeit zu Fahrtausfällen führte.
Der Renault-Gelenkbus 222 macht 2005 Pause am Busterminal der Universität, in Höhe des heutigen Parkhauses - Archiv M. Philipp - Archiv M. Philipp
Der Renault-Gelenkbus 222 macht 2005 Pause am Busterminal der Universität, in Höhe des heutigen Parkhauses - Archiv M. Philipp - Archiv M. Philipp
Der Renault-Gelenkbus 222 macht 2005 Pause am Busterminal der Universität, in Höhe des heutigen Parkhauses - Archiv M. Philipp - Archiv M. Philipp
1992 bis heute
„Die Neuen machen Ihnen den Einstieg leichter!“ lautete die Werbebotschaft großer Plakate im Jahr 1992: Die ersten Niederflurbusse (Busse ohne Stufen an den Türen) wurden nach Probeeinsätzen bestellt. Es waren wieder Busse des Herstellers MAN und zunächst 28 an der Zahl plus ein aus Karbonfaser hergestellter Neoplan-Bus (Nr. 299), der durch sein futuristisches Design auffiel und meist auf der Linie 14 eingesetzt wurde. An die Niederflurbauweise mussten sich die Fahrgäste oft erst gewöhnen, was nicht ganz ungefährlich, aber bisweilen auch witzig anzusehen war: Beim Einsteigen hoben viele das Bein, was dann durch die fehlende Stufe zu einem unbeholfenen Stolperschritt ins Leere wurde.
Einer der letzten Erdgasbusse Saarbrückens war der Mercedes-Gelenkbus 375, hier im Jahr 2021 als Schulverstärker 806 am Hauptbahnhof. - Archiv M. Philipp
Einer der letzten Erdgasbusse Saarbrückens war der Mercedes-Gelenkbus 375, hier im Jahr 2021 als Schulverstärker 806 am Hauptbahnhof. - Archiv M. Philipp
Einer der letzten Erdgasbusse Saarbrückens war der Mercedes-Gelenkbus 375, hier im Jahr 2021 als Schulverstärker 806 am Hauptbahnhof. - Archiv M. Philipp
Die zweite Generation Niederflurbusse bekam dann noch eine zweite Besonderheit mit: Von 1994 an wurden sie mit Erdgas (CNG = Compressed Natural Gas) betrieben, was durch die „Rucksäcke“ auffiel. Gastanks auf dem Dach. Saarbrücken war Vorreiter in dieser Technologie und hatte zeitweise die größte Erdgasbusflotte Deutsch-lands mit über 80 Fahrzeugen. Insgesamt wurden bei den Saartal-Linien bis 2009 106 Erdgasbusse beschafft plus ein paar wenige bei Subunternehmen. Leider erwies sich diese „zweite Antriebswende“ als nicht nachhaltig: Die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge ließ zu wünschen übrig, der Wartungsaufwand war hoch und es gab sogar durch Überhitzung einen Brand auf dem Betriebshof, bei dem auch Gasflaschen explodierten. Die bisherigen Abstellhallen wurden beschädigt, mussten abgerissen werden und die Abstellfläche wurde komplett neu organisiert. Somit entschied man sich, ab 2006 wieder Dieselbusse zu beschaffen.
Das Netz der Saarbahn-Buslinien veränderte sich ab den 2010er Jahren vor allem in Außenbereichen, zum Beispiel um Heusweiler, Riegelsberg und Quierschied, wo aufgrund von geänderten Gesetzen im Vergaberecht andere Verkehrsunternehmen zum Zuge kamen. So gingen einige Linien wie die 132 oder 142 an Saar-Mobil und andere Verkehrsunternehmen. Die Bedienung von Holz oder Spiesen-Elversberg übernahmen die Kollegen der NVG in Neunkirchen.
Ab 2025
Heute besteht der Fuhrpark der Saarbahn GmbH, seit 2002 die Nachfolgegesellschaft der GSS, aus 138 Omnibussen. Zum Einsatz kommen Typen der Hersteller MAN (80 Busse der Baujahre 2015-2023) und Mercedes (58 Busse der Baujahre 2006-2014). Darunter befinden sich 93 Standardbusse und 45 Gelenkbusse. Hinzu kommen zahlreiche Busse mehrerer Subunternehmer.
2025 hält die „dritte Antriebswende“ nach dem Obus der 1950er und dem Erdgasbus der 1990er in Saarbrücken Einzug. Zur Umsetzung der Clean Vehicles Directive (CVD), nach der zukünftig mindestens 45 Prozent aller neu angeschafften Busse im ÖPNV emissionsfrei oder -arm sein müssen, hat die Saarbahn die Anschaffung von zunächst 28 mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellenbussen des irischen Hersteller Wrightbus sowie die Beschaffung einer „grünen“ Wasserstoff-Versorgungsinfrastruktur und einer Tankstelle entschieden.
Ab Mai 2025 werden voraussichtlich die ersten fünf Fahrzeuge in Saarbrücken im Einsatz sein.
Wasserstoffbus grün der Firma Wrightbus - Foto:Wrightbus
Wasserstoffbus grün der Firma Wrightbus - Foto:Wrightbus
Wasserstoffbus grün der Firma Wrightbus - Foto:Wrightbus
Copyright / Quellenangabe: Markus Philipp, ÖPNV-Archiv Saarbrücken